Marstall 2, 67433 Neustadt an der Weinstraße

Lassen Eltern ihr knapp dreijähriges Kind bei einem Reitturnier aus den Augen, haften sie vollständig für dessen Verletzung durch einen Pferdetritt. Dies hat der BGH entschieden, Urteil vom 19.01.2021 – VI ZR 210/18; VI ZR 194/18.

Bei einer Aufsichtspflichtverletzung der Eltern kann sich nach Ansicht des Gerichts ein Anspruch des Kindes gegen die Eltern aus § 1664 Abs. 1 BGB sowie des § 823 Abs. 1 BGB durch Verletzung der Obhutspflicht ergeben. Der Umfang der gebotenen Aufsicht über Minderjährige bestimme sich nach deren Alter, Eigenart und Charakter, wobei sich die Maßnahmen danach richteten, was verständige Eltern in der konkreten Situation tun müssten, um Verletzungen zu verhindern.

Weder der Veranstalter noch die Pferdehalterin hingegen müssen damit rechnen, dass ein Kleinkind unbeaufsichtigt in einen Pferdetransporter klettert. Deren Verkehrssicherungspflicht reduziert sich durch die Pflicht der Eltern, ihren Nachwuchs auf einer großen Veranstaltung eng bei sich zu führen.

Die Entscheidung des BGH lässt sich auf vergleichbare Sachverhalte übertragen, wobei Maß der gebotenen Aufsichtspflicht der Eltern sich im Einzelfall nach Alter, Eigenart und Charakter des Kindes richtet.